Wasserstoff

Wie viele Farben hat Wasserstoff eigentlich? Ich höre von grauem, grünen und blauem.

Wie viele Tankstellen gibt es eigentlich in Europa schon, an denen man H2 in ein Auto füllen kann? Hierzu habe ich eine interessante Website gefunden. Stand gestern sind 134 in Betrieb, davon 19 gerade gestört und weitere 43 in der Realisierungsphase. Alleine in Deutschland sind es schon 84 und das, obwohl es sich wirtschaftlich eigentlich noch nicht lohnen kann. Förderungen machen es scheinbar möglich, denn tankende Autos gibt es nur wenige. Mit zwei Tankstellen in Schleswig Holsten und vier in Hamburg sind wir im Norden schon ganz gut versorgt. Die eine in Brunsbüttel wird sogar schon für LKW, und demnächst hoffentlich für Busse benutzt. Dann kann sich die Investition vermutlich auch bald wirtschaftlich rechnen. Ob sie sich ökologisch rechnet, darüber streiten die beiden typischen Lager sich wieder einmal.
Ein interessantes Video zum H2 Auto Test möchte ich auch verlinken, denn dort testet jemand einen luxuriösen SUV mit Wasserstoff Brennstoffzellen Antrieb, ist begeistert von der Qualität und den Möglichkeiten des Autos, bleibt aber Zweifler an der Technologie. Kleine technische Nachteile hat der Brennstoffzellen Speicher gegenüber den Akku Speichern. Über den Mangel an Beschleunigungsverhalten und die geringere Höchstgeschwindigkeit kann man aber gerne hinwegsehen. Schließlich geht es bei ökologischer Fortbewegung um das ökonomische Nutzen von Energie. Gerade hier liegt aber ein großer Nachteil der Wasserstoff Technologie. Vom am Windrad erzeugten Strom kommen am Rad des Autos nur rund 30% der Energie an. Das liegt in etwa auf dem Niveau eines Diesel Fahrzeugs, wenn der Produktionsweg der Diesel-Herstellung und die Effektivität des Motors berücksichtigt werden. Bei einem Akku Auto werden etwas 80% der erzeugten Energie in Fortbewegung umgesetzt.

Unbestreitbar haben Wasserstoff Fahrzeuge Vorteile gegenüber den Diesel, Benzin oder Gas verbrennenden Fahrzeugen. Am Auspuff kommt fast nur Wasser an.
Einen Vorteil haben sie auch gegenüber Akku Fahrzeugen, denn die Betankung mit neuer Energie erfolgt wesentlich schneller.
Und für große, schwere Fahrzeuge wie Lastwagen, Busse, Bahnen oder Schiffe scheinen die Brennstoffzellen die bessere Wahl zu sein.

Und welche Farbe hat der Wasserstoff nun?
Grün ist er, wenn die Aufspaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff mit Strom aus Sonnen-, Wind- oder Wasserkraft hergestellt wird. Diese Elektrolyse ist umweltverträglich.
Grau ist Wasserstoff, wenn er wie bisher meist, aus Erdgas gewonnen wird. Das Erdgas muss entsprechend vorher gefördert werden, Co2 wird entzogen und H2 bleibt übrig. Das Verfahren ist industriell etabliert und führt zur wirtschaftlichen massenhaften Herstellung von Wasserstoff. An den H2 Tankstellen führt das zu Preisen von 10€ pro kg H2.
Blau ist der Wasserstoff, wenn das dem Erdgas entnommene CO2 nicht an die Umgebung abgegeben wird. Es wird dann gespeichert. Meist in alten Bergwerken oder in Kavernen unter der Erde. Rohstoff bleibt aber Erdgas. Es handelt sich also um eine Marketing-Maßnahme der Mineralölindustrie, die zu hohen Kosten führt ohne irgendwie regenerativ zu sein.

Und welche Farbe hat der Wasserstoff, den man aus Biogas gewinnen kann? Biogas ist chemisch dem Erdgas sehr ähnlich. Es wird nur aus nachwachsenden Stoffen, hoffentlich Reststoffen, hergestellt. Dementsprechend ist die Gasherstellung hier biologisch regenerativ, aber das CO2 wird trotzdem an die Umwelt abgegeben. Allerdings nur so viel, wie die Pflanzen vorher aufgenommen hatten.

Frust der Kommunalpolitik

Ich habe meinen Schüler*innen im Politik Unterricht immer geraten, sich politisch zu engagieren. Vor allem im Bereich der Kommunalpolitik kann man schnell in verantwortungsvolle Gremien gewählt werden. Man kann an seiner direkten Umwelt mit gestalten und etwas bewegen.

Nach zwei Jahren „im Dienst“ muss ich resümieren, dass man gar nicht so viel bewegt. Zumindest nicht schnell. Bis sich ein erster Erfolg einstellt und man mit einem Antrag auch durchdringt, dauert es schon einige Monate, wenn nicht Jahre. Das kann frustrierend sein. Nein, dass ist frustrierend.

Selbst gute Argumente und Ideen werden zerredet und bekämpft. Selbst die eigene Fraktion handelt manchmal so, wenn eine Idee von der falschen Partei vorgebracht wird. Der Eindruck, den ich vor der persönlichen Beteiligung am politischen System hatte, nämlich dass es um die Sache geht, diesen Eindruck habe ich verloren.

Gestern konnte ich noch etwas mit einer Kollegin darüber sprechen. Auch sie ist manchmal frustriert, dass sie so wenig bewirken kann. Das gute Ideen und Argumente aus ideologischen oder prinzipiellen Erwägungen heraus bekämpft werden.

Heute habe ich als Besucher an einer städtischen Sitzung teilgenommen. Ich möchte halt wissen, was in meiner Stadt so vor sich geht. Ich war schwer enttäuscht.
Das Peinlichste war heute, dass eine Fraktion einen wichtigen Punkt auf der Tagesordnung verschieben wollte und damit Erfolg hatte. Der Grund war, das es innerhalb der Fraktion dazu noch Beratungsbedarf gäbe.
Es sei bemerkt, dass das Thema nicht neu ist. Auf der letzten Sitzung zum gleichen Themenbereich wurde dieser Punkt auch schon abgesetzt. Auch damals bin ich vor allem aufgrund dieses Bereiches extra hin gegangen.
Es bestand also über Monate hinweg ausreichend Zeit, sich nicht damit zu befassen. Ich habe das Gefühl, man scheut die Auseinandersetzung mit den Bürger*innen.

Auch die anderen Punkte der heutigen Tagesordnung wurden konsequent verhindert. Teils mit aus meiner Sicht sehr merkwürdigen Argumenten. Es kam mir wie ein Verhinderungsausschuss vor, der nur keine Koste und noch weniger Arbeit entstehen lassen wollte.

Allmählich glaube ich, dass Bürgerinitiativen, Petitionen, Demonstrationen und ähnliche Aktionen viel wirkungsvoller sein können als ehrenamtliche politische Arbeit. Wenn man nur eine Sache durchbringen oder verhindern möchte. Sich nicht im andere Belange und Nebenschauplätze kümmern muss. Wenn man Menschen zusammenbringt, nicht Parteien, dann ist die Verwaltung und Politik oft gezwungen zu handeln. Gerade im Kleinen, im kommunalen Umfeld muss man dies wohl häufiger nutzen um Fortschritte zu erzielen.

Stadtentwicklung

Städte zu entwickeln ist ein langwieriges Geschäft. Ideen von heute sind nicht iummer auch in ferner Zukunft sinnvoll. Kurzfristige Ziele lassen sich aber nur schwer durch eine mittelfristig bis lang angelegte Planung verwirklichen.

Dienstag tagt in Itzehoe endlich wieder der Stadtentwicklungs-Ausschuss im alten Rathaus. Ich hoffe, ich verpasse den Termin nicht, wenn ich auch nur als Besucher anwesend sein kann.
Nun, nachdem ich schon fast ein Jahr hier in Itzehoe wohne möchte ich mich auch stärker in die Stadtpolitik einbringen. Als Kreistagsmitglied ist das immer ein Balanceakt, aber als Bürger der Stadt kann ich die Interessen zwischen Kreis und Stadt schon ganz gut trennen.
Worum es Dienstag gehen soll kann jeder im Bürgerinformationssystem einsehen. Diese wunderbare Transparenz schaffende Einrichtung finde ich wichtig.

Wichtige Themen sind aus meiner Sicht die zukünftigen Baugebiete für Wohnungen. Ich denke, wir sollten nicht in die Falle tappen und weitere EFH planen lassen, denn dafür wird es zukünftig immer weniger Bedarf geben. Wenn die eigenen Kinder ausziehen ist zu viel Wohnfläche für die Rentner*innen übrig. Dadurch wird versiegelte Fläche ungünstig genutzt. Meine Ziele liegen mehr im Bereich der Quartiere, inm denen auf weniger Fläche mit mehreren Menschen sozial interagiuerend gewohnt werden kann.

Leider gibt es noch immer zu viele einnahmenorientierte Politiker in den Kommunen, die sich durch wohlhabendere Neubürger höhere Steuereinnahmen versprechen.

Auch die Diskussion um den von der UWI eingebrachten Antrag zur kostenfreien Bus Nutzung in Itzehoe kann sehr interessant werden. Ich meine zwar, dass es sich nur lohnt, die Busse im Kreis kostenfrei an zu bieten, statt nur in der Stadt. Aber darüber können Itzehoer Stadtvertreter eben nicht entscheiden.
Ich kann mir die ablehnenden Redebeiträge aber schon vorstellen. Ich hoffe, überrascht zu werden.

Ich esse gerne Fleisch

So bin ich aufgewachsen. Meine Eltern waren Jugendliche der Nachkriegszeit und freuten sich sehr darüber, trotz einfacher Arbeiterschicht gelegentlich Fleisch auf den Tisch bringen zu können. Seit wir Kinder auf der Welt waren gab es immer öfter Fleisch zu essen. Auf meinem täglichen Schulweg kam ich täglich am Schlachtbetrieb mit eigener Metzgerei vorbei. Wir hörten das Quicken der Schweine sehr oft und wussten genau, warum sie so schrien. Im Laden bekam ich immer meine extra Scheibe Aufschnitt.
Auch heute noch fühle ich mich körperlich unwohl, wenn zu selten Fleisch auf dem Tisch steht.
Sein Verhalten zu ändern ist ganz schön schwer. Immerhin essen wir mittlerweile weniger Fleisch. Mittlerweile kaufen wir öfter regionales Fleisch ein.

Aber… Wenn ich dann die gesellschaftliche Ausbeutung von Menschen sehe, die für uns Lebensmittel herstelle mache ich mir besonders Gedanken un die Produktionskette und die Arbeitsbedingungen der Menschen. Ich werde versuchen, dort zu kaufen, wo es zumindest fair zugeht. Das trifft nicht nur bei Fleisch zu, denn fairer Handel ist nicht ausschließlich unter dem fair trade Logo möglich. Meist ist es ein gutes Zeichen für faire Arbeitsbedingungen, wenn der Produzent selber vermarktet, mir Zutritt zum Betrieb gewährt und wirtschaftlich recht klein ist. Genau diese kleinen, oft Familienbetriebe werden aber zunehmend durch expansiv und billigst ausgerichtete Konzerne vom Markt verdrängt. Den Schlachter meiner Kindheit gibt es natürlich auch nicht mehr.

Warum dieser Text heute? Wir in Steinburg kennen alle die Berichte über zwei große Schlachthöfe in unserer Region. Die Arbeits- und Wohnbedingungen der Schlachter und Zerleger stehen seit Jahren in der Kritik und der Kreis Steinburg ist bemüht, hier Verbesserungen zu erreichen.
Durch die aktuelle Corona Pandemie kam es letzte Woche zu Infektionen unter der Belegschaft des Vion Schlachthofes Bad Bramstedt. Die Sammelunterkunft vieler Arbeiter liegt in Kellinghusen und musste unter Quarantäne gestellt werden. Ich empfehle den NDR Bericht dazu zu lesen oder sich den Bericht als Video einmal anzuschauen.
Welche Produkte Vion herstellt, auf die wir selber beim Kaufen achten könnten zeigt das Unternehmen übrigens auf seinen eigenen Werbeseiten. Darunter ist auch mindestens eine der beiden großen Burger Ketten.

Jeder kann sein Handeln weitgehend selber bestimmen, Ich weiß zumindest, worauf ich beim nächsten Fleischkauf zusätzlich achte.

Wo verkauft Vion eigentlich?

Die Vorfälle von Virus Infektionen in Schlachthöfen öffnet einen neuen Blick der Gesellschaft auf die Arbeitsbedingungen dort. Viele Facharbeiter werden durch Subunternehmer vermietet. Auch dadurch ist Deutschland ein weltweites Billiglohnland für die Schlachtung und Zerlegung von Tieren. Das Meiste wird übrigens exportiert.

Als Verbraucher kann ich reagieren, indem ich öffentlich protestere wenn die Arbeitsbedingungen nicht meiner Vorstellung entspricht. Zum Beispiel in Kellinghusen wird dies auch seit Jahren getan.

Ich kann aber auch anderswo mein Fleisch beziehen oder weniger kaufen. Zum Glück kann man im Internet einige Kunden und Marken von Vion finden. Da findet sich sogar auf der Unterseite ein Kunde auf den man stolz ist. Burgerking scheint viel Rindfleisch dort zu kaufen.

Warum gibt es eigentlich so billig Fastfood Fleisch? Doch nur weil wir es auch kaufen- oder?

https://products.sites.vionfoodgroup.com/nl/brands/