Autofreie Innenstadt

Von außen, als Bürger Itzehoes betrachtet, ist es ein Trauerspiel. Mitte 2019 hatte sich der Rat der Stadt zu einem Beschluss durchgerungen die Innenstadt weitgehend autofrei zu machen. Vorher hatten mehr als 3000 Bürger*innen sich entsprechend dafür ausgesprochen.
Heute, Anfang August 2020 sollen endlich einzelne Aspekte des ehemaligen Beschlusses umgesetzt werden. Nachdem sich, aus meiner Sicht zu spät, einige Geschäftsleute in der Stadt beschwert hatten, hatte die Stadtverwaltung einen Kompromiss vorgeschlagen. Ein bisschen Fußgängerzone, ein wenig Spielstraße und automatische Zugangsbarrieren gegen Autos.

Ich fühle mich in Fußgängerzonen, mit Tischen und Stühlen vor den Cafes und Restaurants deutlich wohler. Parken kann man auch im Parkhaus oder auf den umliegenden Parkplätzen. Es gibt nur wenig Gründe, mit seinem PKW direkt vor einem Einzelhandelsgeschäft parken zu müssen. Und wer gehbehindert ist, dem wird dieses Recht niemand verweigern wollen. Im Sinne eines lebenswerten, besucherfreundlichen Innenstadt sollten so wenig Fahrzeuge durchfahren wie möglich.

Hamburg nimmt sich dieses Problems schneller an wie es scheint. Der Jungfernstieg wird besucherfreundlicher, weil autofreier. Wenn auch immer noch Taxen und Busse queren dürfen, so ist doch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan worden.

Ich bin davon überzeugt, dass weniger PKW in einer Innenstadt zu mehr Kundschaft für kleine Geschäfte führen kann.

Man muss aber auch aufpassen, was erlaubt wird. In Groeningen, welchen ich in den letzten Wochen besucht habe, ist die schöne Innenstadt auch autofrei. Leider sind motorisierte Roller und Fahrräder erlaubt. Dort, in den Niederlanden, benehmen sich Rad- und Rollerfahrer*innen aber wie in Deutschland viele PKW Fahrer*innen. Als Fußgänger*in hat man da oft das Nachsehen. Solche Zustände wären in Deutschland ebenso unerwünscht.

Übrigens: warum stehen nicht auch Tisch und Stuhl vor anderen Geschäften als Restaurationen? Ich würde mich freuen, einmal ausruhen zu können ohne etwas essen oder trinken zu müssen. Und die Wartezeit auf einen Termin wegen Ladenüberfüllung könnte ich dann auch noch sitzend verbringen.

Schulbeginn in SH

Montag starten die Schulen in Schleswig Holstein im Präsenzbetrieb.
Schule ist sehr wichtig für die Entwicklung der Jugendlichen in allen modernen Gesellschaften. Dieses habe ich seit Jahren vor allem in Bezug auf Entwicklungsländer gelernt und gelehrt.

Das sich Unterricht nun an neuen Infektionsschutzmaßnahmen orientieren muss und wird, das ist für Lehrkräfte und Schulverwaltung sehr anstrengend. Für Eltern und Lernende sicherlich auch ungewohnt. Ich bin allerdings überzeugt, dass wir uns auch an diese neue Situation der täglichen Routine schnell gewöhnen werden.

Vorteile sehe ich durchaus. Endlich werden unsere Schulen im reichen Deutschland mit ausreichend Waschräumen, Seife und Handtüchern ausgestattet. Endlich werden landesweit e-learning Plattformen benutzt. Es gibt sogar gemeinsame Strategien und Anwendungen. Endlich trauen sich Schulleitungen auch die Nutzung von IT-Lernplattformen vorzuschreiben, statt auf die Eigeninitiative der Lehrenden zu setzen. Endlich nutzen wir die seit etwa 20 Jahren bestehenden Möglichkeiten des „blended learning“. Auch wenn der Grund zur verpflichtenden Nutzung von Lernplattformen sehr unschön ist. Wir erwarten vereinzelt erneute Schließungen von Kohorten oder ganzen Schulen. Dafür wollen und müssen wir vorbereitet sein, den Unterricht auch ohne Präsenz vernünftig und bewertet fortführen zu können.

Ich hoffe, das zukünftig das Zusammenspiel von Hausaufgaben, Klassenzimmer-Unterricht, Online Unterricht, Lernsoftware und Lernen an anderen Orten harmonisch läuft. Die Medienkompetenz steht zumindest mittlerweile im Fokus.

Auch die Schüler*innen merken allmählich, dass Smartphones mehr können als zu unterhalten. Manche wollen dies natürlich nicht wissen, denn dann werden Spielzeuge zu Arbeitsgeräten.