40 Jahre feiern

Am Samstag den 5.9.20 begingen wir eine Feierstunde zum 40sten Bestehen der Grünen im Kreis Steinburg. Aufgrund der noch immer notwendigen Infektionsschutzmaßnahmen konnten wir nur wenige Gäste einladen. Unsere eigentlich seit über einem Jahr geplante große Party mussten wir auf unbestimmte Zeit verschieben. Wir wollten mit etwa 250 Gästen auf Planet Alsen in Itzehoe richtig Party machen.

Wie wichtig einzelnen Menschen solche Gedenkfeiern sind ist an den Reaktionen zu Planung und Durchführung zu erkennen. Während ich Geburtstage und Jahrestage als interessant aber nicht so wichtig empfinde sehen andere dies ganz anders. Mich erreichen einige Kommentare unzufriedener Mitglieder und Wegbegleiter der Grünen, die enttäuscht sind, nicht eingeladen worden zu sein. Auch über Ablauf und Inhalt der Feierstunde gibt es kritische Anmerkungen.
Andererseits danken Teilnehmer und Mitglieder für die kleine Erinnerung an die wichtige und bewegte Entstehungsgeschichte der Grünen Partei, gerade hier im Norden Deutschlands. Mit dem Baubeginn des AKW Brokdorf organisierte sich ein starker Widerstand in der Bevölkerung. Das politisch sehr ungeschickten Vorgehen der Schleswig Holsteiner Regierung der 1970er Jahre tat sein Übriges. Polizeigewalt gegen Demonstranten, falsche Versprechungen und eine lebensbedrohende Atom Technologie führten zum Mut in der Bevölkerung, Demokratie wieder ernsthaft zu betreiben. Schon damals wusste man um das Problem der fehlenden Entsorgungs-Möglichkeit für den strahlenden Müll.

Im nächsten Jahr, Ende 2021 wird das letze AKW, das Brokdorfer Atomkraftwerk, vom Netz genommen. Es hat lange, zu lange, gedauert dieses Ziel zu erreichen. Und es wird das Problem der Entsorgung, das Problem mit dem Umgang mit Atommüll und mit Rückbau der Kraftwerke weiter bestehen bleiben.

Positiv kann ich dabei stolz auf uns Grüne sein. Wir sind mittlerweile eine starke politische Kraft in Kommunalverwaltungen, in Kreistagen, in Landesregierungen und im Bundestag. Selbst im Europaparlament kommt man nicht mehr an uns und unseren lebenswichtigen Positionen vorbei. Auch weltweit stehen die Grünen Themen stark auf der Agenda.

Es braucht oft Ereignisse wir den Bau eines Atomkraftwerkes oder das Unglück eines Tankschiffes (Exxon Valdez) um politische Themen wirkungsvoll in die Öffentlichkeit zu tragen.
Wenn es dann Menschen gibt, die sich strukturiert für die Verbesserung der Lebensumstände einsetzen und mutig lange durchhalten, dann können starke Gruppen entstehen.

Ich selber war vierzehn Jahre alt, als sich die Grünen im Kreis Steinburg gründeten. Ich wohnte weit weg vom AKW und war damals an den Demonstrationen nicht beteiligt. Trotzdem bin ich stolz, heute zu den Grünen zu gehören. Ich darf sogar schon seit einigen Jahren im Vorstand der Bündnis 90 / Die Grünen des Kreises Steinburg arbeiten. In einem traditionell so wichtigen Grünen Kreisverband zu agieren ist etwas Besonderes.
Insbesondere beeindrucken mich die „alten“ Mitstreiter*innen, die eindrucksvoll von den aktiven Protesten berichten. Manchmal kann ich kaum glauben, wie unsensibel die Politik in den 70er ud 80er Jahren mit Protesten umgegangen ist. Positiv bewerte ich jedoch die demokratische Entwicklung Deutschlands seit dieser Zeit. Wir Bürger nehmen unsere Bürgerrechte wahr. Wir können mit gestalten und wir tun dies auch. Dieses wichtige politische Verständnis müssen wir unserer Jugend auch weiterhin vermitteln. Demokratie ist die Regierung des Volkes durch das Volk, das beschränkt sich nicht nur auf die Teilnahme an Wahlen.

In einem eindrucksvollen Gedicht über die Entstehungsgeschichte der Grünen im Kreis Steinburg hat unser Gründungsmitglied Silke die letzten vierzig und mehr Jahre für uns erlebbar gemacht. Ihr findet es auf der Website der Grünen Steinburg.