Biomüll vergären, kompostieren oder verbrennen?

Die Frage nach dem Umgang mit unseren Abfällen stellt sich dieses Jahr im Kreis Steinburg erneut. Insbesondere mein Wunsch, den eingesammelten Bioabfall in einer regionalen,  neuen Biogasanlage energetisch sinnvoll zu verwerten, wird zu vielen Diskussionen führen.
Sobald die Diskussion auf fachlichen Grundlagen und nicht auf fachlichen Vorurteilen basiert macht es auch Spaß, sich dem zu widmen.

In einen Fachbeitrag von 2014 auf den Seiten ask-eu.de , den man komplett kostenfrei lesen kann sobald man sich dort anmeldet, wird das Thema gut kritsch aufbereitet.
Schon das Vorwort regt zum Nachdenken an, denn mit einen Wochenendausflug an die Ostsee erzeugen wir mehr CO2 als über unsere vergorenen  Bioabfälle pro Jahr eingespart werden könnte. Es bleibt also dabei, dass insbesondere unsere persönlichen Lebensweisen, unsere gewohnten Komfortzonen das größere klimaschädliche Problem sind. Davon nehme ich mich ausdrücklich nicht aus.
Allerdings entbindet es uns nicht davon, unsere Abfälle, die schließlich auch weiterhin anfallen werden, vernünftig zu verwerten.

Ein Resultat der o.g. Studie ist, dass eine Kompostierung von Bioabfall CO2 ausstößt und eine Vergärung den Ausstoß reduziert.
Natürlich wird das erzeugte Gas dann anschließend auch wieder genutzt, so dass das CO2 erneut in die Umwelt gelangt. Vorteil bleibt hier, dass andere Brennstoff Recourcen dann nicht verbraucht werden müssen.

Auch wenn es vordergründig teurer erscheint, eine regionale Biogasanlage zu bauen und zu betreiben, anstat den Abfall zu einer vorhandenen Kompostierung zu bringen, so überwiegen aus meiner Sicht die ökologischen Vorteile.
Meiner Einschätzung nach werden sich zusätzlich auch ökonomische Verbesserungen ergeben,  wenn der Müll nicht mehr quer durch Schleswig Holstein gefahren werden muss. LKW, Personal und Treibstoffe kosten schließlich auch Geld. Und erzeugte Biogase oder Biotreibstoffe können veräuert werden.

Reparaturen statt Neukauf

Ein neues EU Reparaturrecht macht Hoffnung. Weniger Geräte zu produzieren spart Ressourcen und Energie.

Kommunal können wir zusätzlich viel machen. Vor allem schneller Umsetzen. Welche Ideen fallen mir da spontan ein?

  1. Über Sammelstellen angenommene Elektrogeräte aufarbeiten
  2. Sperrmüll Möbel und Spielsachen weiter verwerten
  3. Soziale Einrichtungen beim Aufbau und Betrieb von Workshops unterstützen.Dort könnte z.B. Laien gezeigt werden wie alte Dinge zu neuem Leben erweckt werden.
  4. Werbung machen für lokale Reparaturbetriebe
  5. Zweiverwertung von Smartphones organisirten
  6. ….

Da gibt es vieles um Müll zu vermeiden und Energie zu sparen.

Wohin mit dem Biomüll?

Wenn wir uns schon die Arbeit machen, den Biomüll getrennt einzusammeln, dann sollten wir den auch vernünftig verwerten. Hier kann kompostiert oder Vergoren werden. Derzeit vergären wir unseren Bioabfall in einer Anlage bei Lübeck. Das ist vom Prinzip her gut, hat aber den großen Nachteil der Transportwege. Bei einer einfachen Fahrstrecke von ca 120km in etwa zwei Stunden per LKW kommen geschätzt 86.000 LKW Kilometer pro Jahr zusammen, falls die LKW immer voll beladen fahren. Das sind über 1400 Arbeitsstunden der Fahrer*innen (über 40.000€ Lohnkosten). Es werden dabei ca 30.000 Liter Diesel pro Jahr verbrannt ( LKW Diesel Verbrauch  ) (Kosten: 35.000,-€). Die CO² Belastung beträt etwa 100 Tonnen Pro Jahr ( CO2 Berechnung )
Lokale Verwertung scheint also angebracht.

In Nordfriesland wird das übrigens lokal erledigt ( Biogas NF ). Natürlich muss der Müll auch hierhin transportiert werden, aber das können die Sammelfahrzeuge direkt erledigen und müssen ihr „Gut“ nicht auf Transportfahrzeuge umladen.

Ich werde mir das demnächst genau erklären lassen. Vielleicht ergeben sich ja neue ökologisch ökoomische Vorteile für uns. Dann könnte der Kreistag das womöglich auch beschließen.

Übrigens wird ähnliches mit über 70.000 t Bioabfall auch in Berlin gemacht. Mit dem sauber aufbereiteten Biogas wird die Erdgasversorgung dort unterstützt. Die Abfall Sammelfahrzeuge fahren dann logischerweise auch mit Erdgasmotoren.
Dies möchte ich in Steinburg etwas besser machen und die Sammelfahrzeuge lieber mit Wasserstoff antreiben lassen. Schließlich können wir den Wasserstoff auch lokal über Windkraftanlagen erzeugen. Der verbrennt in Brennstoffzellen dann naheuzu ohne schädliche Emissionen.

Alle Berechnungen dieser Betrachtung beruhen auf meinen Schätzungen und dürften der Realität (Internet Quellen) ziemlich nah kommen. Ein*e Gutachter*in kann das sicherlich b´genauer berechnen. Aber das sich eine lokale Lösung ökologisch lohnt wird schnell klar. Das sie sich auch wirtschaftlich rechnet scheint darstellbar zu sein.

Ende der politischen Sommerpause

Heute findet der erste Umweltschutzausschuss nach der Sommerpause wieder zusammen. Das interessanteste Thema wird die Neuaufstellung der Abfallwirtschaft im Kreis Steinburg werden. Es geht um die Sicherstellung einer vernünftigen, das heißt ökologisch sinnvollen, Sicherstellung dieser wichtigen kommunalen Aufgabe. Es geht darum die nächsten Jahrzehnte schon jetzt voraus zu planen.
Besondere Herausforderung aus meiner Sicht ist, den Mülle, die Wertstoffe und die Problemstoffe umweltverträglich einzusammeln. Dabei spielt die Wahl der Antriebstechnik der Fahrzeugflotte eine große Rolle.

Aber auch die Organisation der Sammlung ist nicht so optimal. Mich stört sehr, dass so viele Fahrten nötig sind, weil Biotonne, Papier, Restmüll und Leichtverpackungen getrennt (zeitlich und logistisch) abgeholt werden. Vielleicht lässt sich hier über Optimierungen verhandeln?

Die Entsorgung oder Aufbereitung der gesammelten Stoffe ist ein weiteres wichtiges Thema. Gut finde ich, dass der Restabfall thermisch sinnvoll durch die Industrie verwendet wird. Schlecht dabei ist aber die Belastung der Bevölkerung am Industriestandort. Der gesamte Abfall des Kreises (und mehr) wird täglich per LKW angeliefert. Das führt zu erheblichem Lärm und verunreinigter Luft.
Wieso der vorhandene Bahnanschluss nicht wenigstens für die importierten (aus anderen Kreisen) Brennstoffe genutzt werden kann erschließt sich mir noch nicht.

Unser Biomüll wird leider noch immer über weite Wege transportiert und verwertet. Auch hier könnte ich mir eine Vergärung zur Gasgewinnung in der Region gut vorstellen.  Jeder Kilometer, den ein LKW nicht fahren muss ist wertvoll. Und wenn das gewonnene Gas auch als Treibstoff für die Fahrzeuge eingesetzt wird, ist das Sammelfahrzeug quasi CO2 neutral unterwegs.

Ein weiteres schwieriges Thema sind die Altlasten. Unsere Vorgängergenerationen haben einige Deponien hinterlassen. Diese sind zwar stillgelegt aber immer noch teuer. Die Entgiftung und der Schutz der Umwelt vor austretenden Gasen und Schadstoffen kostet viel Geld. Wie können wir diese Altlasten abbauen und Gesundheitsgefahren für die Zukunft minimieren?

Es bleibt viel zu tun.

Abfall Logistik Wirtschaft Management ÖPP

Es ist schon bedauerlich, dass der Kreistag sich im letzten Jahr dazu entschlossen hat, die Abfallwirtschaft inklusive Logistik nicht selber betreiben zu wollen. Es soll eine Ausschreibung einer ÖPP Variante erfolgen. Was das bedeutet war vielen Abgeordneten damals wohl nicht ganz klar. Auch ich musste mich erst einarbeiten und bin nun weiterhin Laie auf dem Gebiet. Gestern hat die Kreis-Verwaltung uns dann unter Einbeziehung eines Beratungsunternehmens eingehender informiert.
Es bleiben weiterhin Fragen offen, aber viele Dinge sind schon klarer geworden. Faktisch geht wohl kein Weg mehr an der öffentlich privaten Partnerschaftsvariante vorbei. Auch wenn es schwer fällt, in der Vergangenheit positive Erfahrungen aus Sicht der Verwaltung (des Bürgers) aufzuzeigen. Meist hat der Partner die Gewinne und der öffentliche Auftraggeber die Risiken getragen. Selbst das Bundeswirtschaftsministerium macht auf die Risiken aufmerksam. Auch der Bundesrechnungshof sieht laut Bericht im Deutschlandfunk nicht viele Vorteile dieser Partnerschaften.

Nun denn, beschlossen ist beschlossen und wir müssen das Beste daraus machen.

Wichtige Punkte sind:
1. Die Mitarbeiter der dann tätigen Abfall-Logistik müssen vernünftig bezahlt werden.
2. Die Qualität muss stimmen
3. Die Möglichkeit, im Laufe der mindestens zehn Vertragsjahre, inhaltliche Anpassungen vorzunehmen muss gegeben sein.
4. Wenn die Laufzeit zu Ende geht darf der Übergang in die Zukunft nicht zu Lasten der Öffentlichkeit gehen (Rückkauf der Privaten Anteile)

Versprochen wurde uns, dass durch die Einbindung eines privaten Investors (Partners) gute Angebote einholbar sein werden. Und, dass der Partner das KnowHow einbringt.

Ich meine, KnowHow kann man sich kaufen und ohne Partner besser etwas Sinnvolles für unseren Kreis aufbauen. Aber dieser Zug scheint vorerst abgefahren zu sein.