Ich esse gerne Fleisch

So bin ich aufgewachsen. Meine Eltern waren Jugendliche der Nachkriegszeit und freuten sich sehr darüber, trotz einfacher Arbeiterschicht gelegentlich Fleisch auf den Tisch bringen zu können. Seit wir Kinder auf der Welt waren gab es immer öfter Fleisch zu essen. Auf meinem täglichen Schulweg kam ich täglich am Schlachtbetrieb mit eigener Metzgerei vorbei. Wir hörten das Quicken der Schweine sehr oft und wussten genau, warum sie so schrien. Im Laden bekam ich immer meine extra Scheibe Aufschnitt.
Auch heute noch fühle ich mich körperlich unwohl, wenn zu selten Fleisch auf dem Tisch steht.
Sein Verhalten zu ändern ist ganz schön schwer. Immerhin essen wir mittlerweile weniger Fleisch. Mittlerweile kaufen wir öfter regionales Fleisch ein.

Aber… Wenn ich dann die gesellschaftliche Ausbeutung von Menschen sehe, die für uns Lebensmittel herstelle mache ich mir besonders Gedanken un die Produktionskette und die Arbeitsbedingungen der Menschen. Ich werde versuchen, dort zu kaufen, wo es zumindest fair zugeht. Das trifft nicht nur bei Fleisch zu, denn fairer Handel ist nicht ausschließlich unter dem fair trade Logo möglich. Meist ist es ein gutes Zeichen für faire Arbeitsbedingungen, wenn der Produzent selber vermarktet, mir Zutritt zum Betrieb gewährt und wirtschaftlich recht klein ist. Genau diese kleinen, oft Familienbetriebe werden aber zunehmend durch expansiv und billigst ausgerichtete Konzerne vom Markt verdrängt. Den Schlachter meiner Kindheit gibt es natürlich auch nicht mehr.

Warum dieser Text heute? Wir in Steinburg kennen alle die Berichte über zwei große Schlachthöfe in unserer Region. Die Arbeits- und Wohnbedingungen der Schlachter und Zerleger stehen seit Jahren in der Kritik und der Kreis Steinburg ist bemüht, hier Verbesserungen zu erreichen.
Durch die aktuelle Corona Pandemie kam es letzte Woche zu Infektionen unter der Belegschaft des Vion Schlachthofes Bad Bramstedt. Die Sammelunterkunft vieler Arbeiter liegt in Kellinghusen und musste unter Quarantäne gestellt werden. Ich empfehle den NDR Bericht dazu zu lesen oder sich den Bericht als Video einmal anzuschauen.
Welche Produkte Vion herstellt, auf die wir selber beim Kaufen achten könnten zeigt das Unternehmen übrigens auf seinen eigenen Werbeseiten. Darunter ist auch mindestens eine der beiden großen Burger Ketten.

Jeder kann sein Handeln weitgehend selber bestimmen, Ich weiß zumindest, worauf ich beim nächsten Fleischkauf zusätzlich achte.

Wo verkauft Vion eigentlich?

Die Vorfälle von Virus Infektionen in Schlachthöfen öffnet einen neuen Blick der Gesellschaft auf die Arbeitsbedingungen dort. Viele Facharbeiter werden durch Subunternehmer vermietet. Auch dadurch ist Deutschland ein weltweites Billiglohnland für die Schlachtung und Zerlegung von Tieren. Das Meiste wird übrigens exportiert.

Als Verbraucher kann ich reagieren, indem ich öffentlich protestere wenn die Arbeitsbedingungen nicht meiner Vorstellung entspricht. Zum Beispiel in Kellinghusen wird dies auch seit Jahren getan.

Ich kann aber auch anderswo mein Fleisch beziehen oder weniger kaufen. Zum Glück kann man im Internet einige Kunden und Marken von Vion finden. Da findet sich sogar auf der Unterseite ein Kunde auf den man stolz ist. Burgerking scheint viel Rindfleisch dort zu kaufen.

Warum gibt es eigentlich so billig Fastfood Fleisch? Doch nur weil wir es auch kaufen- oder?

https://products.sites.vionfoodgroup.com/nl/brands/